Dienstag, 24. März 2009

Doha

Qatar ist ein verhältnismäßig kleines Land: 11.437 km², in der Länge misst es gerade einmal 187 km. Wir haben von Abu Dhabi keinen langen ‚Schlag’ und legen pünktlich im Hafen von Doha an.

Das Hafengelände darf man nicht betreten, doch haben wir eh einen Ausflug durch die Stadt gebucht; zu unsicher ist hier der Umgang mit Touristen. Es gibt keine Taxis, die Menschen sind freundlich, aber zurückhaltend – und durchaus der Meinung, wir seien so reich wie sie. (Im Durchschnitt verdient ein Qatari 7.000 Dollar!!). Private Taxis sind ungemein unverschämt.

Unglaublich viele Amadea-Gäste haben dieselbe Idee wie wir gehabt: zum ersten Mal müssen wir Schlange bis ins Treppenhaus stehen, um einem Bus zugeteilt zu werden. Doch nach fast 14 Wochen Training wirft uns nichts mehr um. Der junge Doktor begleitet uns und versucht, aus den recht spärlichen Informationen einer jungen Chinesin (!) interessante Details über Doha herauszufiltern. Immerhin erfahren wir, dass unser Bus aus China stammt – ist doch was!

Die Skyline von Doha ist für einen Wüstenstaat, der erst seit 1971 seine Unabhängigkeit erlangt hat und jetzt von einem Emir (in Erbmonarchie) regiert wird, schon beachtlich. Alle Staaten eifern Dubai nach, haben es aber Gott sei Dank noch nicht erreicht.
Auch hier gibt es unzählige Baustellen; vor allem Hotels schießen aus dem Boden. Es soll tatsächlich schwer sein, hier ein Zimmer zu bekommen (vom bezahlen können sprechen wir lieber nicht). Doha schafft es, viele wichtige Konferenzen an sich zu ziehen – hatte vor 3 Jahren die Asien-Spiele und versucht mit Tennis, Golf und Pferderennen außergewöhnliche Sportereignisse anzubieten.

Wir besichtigen das Gestüt des ansässigen vornehmen Pferdeclubs (ob es wirklich der Königlichen Familie gehört??) und füttern Pferde mit den mitgebrachten Äpfeln, wenn gerade niemand hinsieht. Dank Kristin haben wir Proviant dabei!
Am Nachmittag soll es ein Reitturnier/Rennen geben, dessen Preisgeld nur für den Gewinner eine halbe Million Dollar beträgt. Nicht übel, dieses ‚Hobby’….

Eine echte Attraktion ist der alte Souq Waqif, in dem wir gemächlich durch Reihen von Cafés und Restaurants schlendern und natürlich einen ‚arabischen Kaffee’ probieren wollen. Ist aber nicht möglich, stattdessen serviert man uns einen Cappuccino, der auch nicht schlecht schmeckt. Geht man abseits des Hauptweges, kommt man in die Bereiche, wo Einheimische kaufen: Hammer, Äxte, Baumaterialien, Gewürze, Töpfe, Bekleidung – eigentlich wie in einem riesengroßen Kaufhaus.

Wer ein neues Hobby sucht, kann es ja mal mit Falken probieren. Obwohl diese Tiere hier nicht heimisch sind, sondern aus dem Irak und Iran kommen, haben die Reichen einen Narren an ihnen gefressen. Wir besuchen ein Geschäft, in dem einige der armen Kreaturen mit Haube sitzen – und alles, was das Falknerherz begehrt, gibt es auch dort. Nee, wie grässlich!

Auch in Doha sieht man, dass Qatar in die Zukunft investiert, wenn es kein Gas mehr gibt. Die Werbung verspricht, dass man quasi sich im Mittelpunkt der Welt befindet: 3,5 Stunden nach Moskau, 4,5 Stunden nach London, 3 Stunden nach Singapore, 12,5 Stunden nach New York. Es wird eine ‚Education City’ geben, neu eröffnet hat ein Museum of Arabic Art (wo jeder kostenlos Arabisch lernen kann, u.a.) und nach Apple, Google, Ikea und Starbucks steht der Tv-Sender Al Jazeera aus Doha an 5.Steller der weltweit einflussreichsten Firmen!

Im 19.Jahrhundert hatten hier einige wenige Perlentaucher ihr Glück gesucht – solange, bis aus Japan die Zuchtperlen auf den Markt kamen. Man fand in Qatar Öl (erster Export: 1949) und danach riesige Gasfelder. Qatar wurde 2006 der weltweit größte Exporteur von LNG (Liquified Natural Gas). Aus der Steinzeit in die Neuzeit katapultiert!

Mit einem insgesamt guten Eindruck dieses Wüstenstaates kehren wir zurück in unsere Homebase.

Abu Dhabi2



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Montag, 23. März 2009

Impressionen



Abu Dhabi



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Abu Dhabi

Hauptstadt der VAE (Vereinigte Arabische Emirate) – das gleichnamige Emirat ist das größte und reichste der 7 Staaten. Hier werden 90% des Öls gefördert und verkauft. Wer hier zu den 15% Emiratis gehört, braucht keine Steuern zu zahlen, ist kostenlos krankenversichert, zahlt für Schule und Studium nix und bekommt bei der Heirat kostenlos ein (nicht zu kleines) Haus geschenkt. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Art Rente, die man nach 20 Jahren erreicht.
Da fast alle Emiratis in der Verwaltung und Regierung arbeiten, verdienen sie gut und leben recht angenehm, wie man uns erzählt.

Regiert wird das Ganze von einem Sheikh, der mit all seinen Brüdern die gesamte Regierung bildet – offenbar aber von seinem Vater, dem hoch angesehenen Sheikh Zayed, gut ausgebildet worden ist. Dieser starb vor 4 Jahren im hohen Alter von über 90 Jahren; er hat Abu Dhabi geschickt aufgebaut, mit viel Überlegung eine Infrastruktur quasi in der Wüste geschaffen und dafür gesorgt, dass Abu Dhabi mit knapp 1,7 Mill. Einwohnern eine moderne Metropole geworden ist.

Uns gefällt diese Stadt weitaus besser als Dubai; das liegt sicherlich an den deutlich ‚kleineren’ Hochhäusern, an der Corniche, der 7km langen Strandallee, und überhaupt an den zahlreichen grünen Plätzen, die natürlich alle nur mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem so bunt bepflanzt sein können.

Sheikh Zayed hat 19 Söhne (mit mehreren Frauen) gezeugt, die alle einen kleinen Palast in der Stadt haben – die 23 Töchter mussten leider außerhalb des Landes gut verheiratet werden. Auch Abu Dhabi hat ein 7*-Hotel, das Emirate Palace Hotel, für das man drinnen wohl schon einen Stadtplan braucht. Aber wir haben nur von draußen gestaunt, ebenso wie vor der Großen Sheikh Zayed Moschee, die noch nicht ganz fertig gestellt ist. Trotzdem steht sie schon dreimal im Guiness Buch der Rekorde: Die größte Kuppel einer Moschee, der größte Teppich (6ooo qm) … Auf den 4 Minaretten befinden sich jeweils (selbst im gleißenden Sonnenlicht aufblitzende) Flugsicherungslichter – das verleiht den Türmen eine zusätzliche Aufmerksamkeit.

Abu Dhabi verfügt, im Gegensatz zu Dubai, schon von Natur über einige Inseln, auf denen fleißig gebaut wird: eine, die sog. ’Ferrari-Insel’, wird ab November 2009 Platz für die Formel 1 in Abu Dhabi bieten. Es wird eine Insel mit Museen (Mini Louvre, Mini Guggenheim etc.) geben, eine mit Tourismusressorts (insgesamt 161 Suiten) und und.. Klein – ist nicht!

Dubai Stadt




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Dubai Stadt

Sand auf dem Balkon. Sand in den Schuhen. Sand zwischen den Zähnen. Sandsturm. Zugegeben: die Einheimischen wussten nicht einmal, was wir mit dem Dunst meinten, als sich der Himmel leicht verfinsterte und die Hochhäuser Dubais hinter einem grauen Schleier verschwanden. Muss wohl nicht sehr spektakulär gewesen sein.

Wir standen in einer der großen (teuren) Shopping Malls und hielten Ausschau nach unserem Shuttlebus zum Schiff. Unter all den Shops für ‚arme Scheichs’ haben wir einen Laden gefunden, der auch etwas für die noch ärmeren Brüder aus dem Fernen Westen bot – doch jetzt tun uns die Füße weh vom Marmortreten und wir wollen aufs Schiff!! (Die Preise sind nicht besser als zu Hause). In der Mall gibt es eine Eislaufbahn, einen gigantischen Wasserfall mit Klippenspringern (Figuren) und ein Riesenaquarium mit Haien und großem Getier.
Interessant waren die Zouks, die alten Märkte, für Gold und Gewürze. Wir hätten viel (und noch viel mehr) Geld für Gold und Geschmeide ausgeben können.. ach ja. Wenigstens roch es auf dem Gewürzmarkt angenehm, und die Verkäufer versuchten wirklich alle, uns mit den Worten ‚Schaun mer mal’ in die Geschäfte zu locken!! (Franzl war wohl auch schon dort?)

Eigentlich möchten wir vielleicht evtl. sogar nach Hause!! Das Essen wiederholt sich zum xten Male (verständlich, aber irgendwie fad). Wird Zeit für Pellkartoffeln mit Quark!!! Und überall verhüllte Gestalten…

So, das war die ‚Kleine Meckerecke’. Nun wieder zurück in eine der prosperierendsten Städte der Welt. Gigantismus pur. Baustelle. Baustelle und noch mal Baustelle. Für Architekten wahrscheinlich der Hit. Fürs Fotos dämlich – immer so ‚nen Kran davor zu haben;) Und muss man wirklich das höchste Hotel, den höchsten Turm der Welt besitzen??!! Und quer durch die Stadt läuft demnächst eine Magnetschwebebahn, gebaut von SAMSUNG. (Woher die wohl die Technik haben?) Alles verschandelt das Gesamtbild, die haben keinen Plan, scheint es.
Natürlich kommen wir nicht mal eben schnell ins Burj Al Arab – also lassen wir das auch; Kaffee oder Tee für 75 Dollar trinken wir anderswo bequemer. Doch gebe ich zu, das Segel sieht toll aus.

Wüste



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Dubai Wüste




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Dubai

Die Straße von Hormuz ist passiert und wir haben die großen Abenteuer in der Nacht einfach verpennt!
Dicht vor uns sind gerade an dieser engen Passage zwei Schiffe zusammen gestoßen! Man munkelt, dass eines davon ein amerikanisches U-Boot gewesen sei. Genaueres erfahren wir natürlich nicht, aber ein kribbeliges Gefühl bleibt.

Zudem erfahren wir gerade heute, dass wir nicht im jemenitischen Hafen Aden festmachen können, weil unser Platz im Konvoi durch den Golf von Aden festgelegt ist und die ganze Fahrt durch den Sicherheitskorridor recht lange dauern wird. Auch hier gibt es keine Detailangaben – klaro.

Doch nun zu Dubai; über 300 Gäste haben die Amadea verlassen und ebenso viele sind neu zu uns gestoßen. Auch wir haben ein letztes Mal die Kabine gewechselt und ‚hausen’ nun im 10.Stock! Die Skyline von Dubai ist leicht im Dunst gelegen – der berühmte Burj Dubai (‚Der Turm Dubai’) ist kaum zu erkennen. Dass er über 800m hoch sein soll, mag man kaum glauben.

Verwöhnt von Stadtansichten wie die von Sydney oder Singapore, sind wir mäßig beeindruckt; trotz alledem aber gespannt, welche Eindrücke in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf uns warten.
Gebucht haben wir eine Jeep-Tour in die Wüste, ich übrigens mit leichtem Unbehagen, denn eine ‚Achterbahnfahrt’ über die Dünen stelle ich mir nicht so lustig vor. Mein Magen hat da so seine eigenen Vorstellungen…

Wir werden auf 10 Landrover verteilt, je 4 Personen finden in den (fast neuen) Wagen Platz. Unser Fahrer ist sehr jung: Ob er wirklich die Kunst der Wüstenfahrt schon beherrscht?! Mustafa ist freundlich und erzählt uns auf dem Weg hinaus aus der Stadt in die Wüste einiges aus dem Leben in Dubai. Er kommt aus Burma und ist einer von 85% Nicht-Emiraten, die hier leben. Dubai ist Boomtown und bietet vielen, vielen Menschen Arbeit; doch auch auf der arabischen Halbinsel ist die Krise zu spüren (so ist noch nicht klar, ob die dritte ‚Palme’ überhaupt in der geplanten Größe erstehen wird.)

Bevor die große Fahrt durch die Wüste beginnt, steigen wir aus – die Fahrer lassen aus den Reifen Luft, um einen besseren ‚Grip’ zu bekommen. Uli kommentiert fachmännisch diesen Vorgang und stellt zufrieden fest, dass unser Jeep mit Dunlop-Reifen ausgestattet ist.

Los geht’s! Voran fährt der Boss der Truppe – wir gleich dahinter. Das hat gleich zwei Vorteile! Wir müssen uns nicht als erste die Düne hinabstürzen – und wir können im Rückblick die restlichen Wagen durch den Sand rutschen sehen, während wir schon wieder (relativ) festen Stand erreicht haben! Tolle Aufnahmen sind uns dabei gelungen – ihr dürft gespannt sein!!
Und ganz anders als erwartet, fahren wir wie ‚auf Butter’; Mustafa ist ein guter Fahrer und geht kein Risiko ein. Ein bisschen Kribbeln im Bauch natürlich bleibt, gehört ja irgendwie auch dazu. Manchmal geht’s steil berauf, manchmal steil bergab, doch so richtig mulmig wird es, wenn wir fast auf die Seite zu kippen drohen und die Düne mehr rutschend denn rollend bewältigen!

Die Wüste ist beeindruckend schön, wenn auch der Sonnenuntergang ein wenig kärglich ausfällt. Wir blicken vom Kamm einer Düne in die Ferne: Sand, Sand, Sand. Schwer zu beschreiben, aber ich habe den Eindruck, das könnte süchtig machen.

Am Abend fahren wir in ein Camp, wo es die Gelegenheit für Kristin und mich gibt, auf einem Dromedar eine kleine Runde zu drehen. Leider zu kurz, um eine echte persönliche Bindung zum Reittier aufzubauen… Einige Gäste versuchen sich im Sandsurfen. Das wäre etwas für Volker und Martin!!
Wer dann noch mehr Kick braucht, kann Wasserpfeife rauchen oder sich mit Henna verzieren lassen. Wir sind der Meinung, dass wir uns eine kleine Stärkung verdient haben und schreiten auf den mitten in die Wüste gelegten Teppichen (wer saugt die??!!) zu ungemein gemütlichen Sitzgruppen. Zu unserem Erstaunen gibt es sogar für uns Ungläubige, gegen ein kleines Entgelt Bier oder Wein zu erstehen.
Das Buffet bietet reichlich Fleisch vom Huhn oder Lamm, leckere Salate, Fladenbrot und supersüße und superleckere süße Teigkugeln. (Aber wir wohnen jetzt ja auf dem Panoramadeck! Das sind 2 Treppen mehr!) Der Sternenhimmel über uns ist übersäet mit blinkenden kleinen Lichtern – für kurze Momente blenden wir das uns umgebende Gemurmel der Menschen aus und sind ganz allein, in der Wüste.

Gegen 22h trudeln wir wieder im Hafen von Dubai ein, wo die Queen Elizabeth II. immer noch brav liegt (was bleibt ihr auch anderes übrig, sie hat ja den Dienst quittiert und wird zu einem Luxushotel umgebaut). Die Costa Victoria daneben zeigt uns, was ein wirklich ‚dicker Pott’ ist und schluckt eifrig neue Gäste für eine neue Reise; unsere Amadea will aber gar nicht so groß werden und besticht durch Eleganz! Bäh!

Jetzt schnell den Wüstensand abgeduscht und die Koffer gepackt!! Morgen früh um halb sechs klingelt der Wecker: Dubai-Ausflug , der Zweite.

Freitag, 20. März 2009

Bombay




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Mumbai




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Mumbai

Mumbai / Bombay



Wer sein Auto durchs Mumbais wahnsinnigen Verkehr lenken kann, kann dies auch überall in der Welt furchtlos tun, keine Frage. Fraglich allerdings ist, ob er es tun sollte, denn hier, wo 14-16 Millionen Menschen leben und täglich sich zu Fuß, auf dem Fahrrad, dem Motorrad, dem Auto, dem LKW, dem Bus durch die Straßen quälen, herrschen sonderbare Verkehrsregeln. (Die Rangfolge der Verkehrsteilnehmer ist einfach: der Stärkere hat Recht! Ampeln sind eine nette Beleuchtung und zählen nicht! Das Ende der Kette bilden die Fußgänger..)

Wir lassen die Amadea-Busse ohne uns ziehen und suchen uns stattdessen ein Taxi, in das wir 4 Personen passen. Eine schier unlösbare Aufgabe – wenn sich nicht der ‚Herr der Taxis’ dazu bereit erklärt hätte, uns in seinem Privatauto (einem Tata) durch die Stadt zu fahren. Er heißt ‚Jonny’ und erweist sich als geübter und guter Stadtführer.
Unsere Liste der gewünschten Stopps liegt ihm vor, wir haben drei Stunden vereinbart und wollen zum Schluss noch zum Crawford Market. Hier soll es „alles geben, was ein Touristenherz begehrt“: Berge von Früchten und Gemüse (lieber nicht!), indische Gewürze, bunte Papageien, Hühner (auch eher nicht!), Gold und Silber, Tuch und Teppich – dazu kostenlos: hupende Autos, schwerstbepackte Handkarren, schimpfende Lastträger und gelangweilt dreinschauende ‚heilige’ Kühe. Als wir im Vorüberfahren einen Blick auf das Chaos und Gewirr des Marktes erhaschen, nehmen wir innerlich schon Abstand von diesem Teil unseres Planes. Aber man wird sehen..

Am Taj Mahal Hotel, 1903 erbaut und vor kurzem noch leider unter traurigen Umständen in den Schlagzeilen, steigen wir zum ersten Mal aus. Sogleich umringen uns Händler, Bettler, Taxifahrer und wir sind froh, dass wir alle Taschen zu Hause gelassen haben. Nein, wir wollen keinen Jasmin kaufen, auch keinen Fächer, wollen unsere Australienhüte nicht verkaufen und brauchen auch kein neues Taxi!! Nur mal eben schnell einen Blick aufs Gateway of India werfen. Im Jahre 1911 war aus Anlass des Indienbesuches von König Georg V. und seiner Frau ein Gipspavillon errichtet worden; 1925 wurde dieser zu einem massiven Torbau aus Basalt umgestaltet. Leider gibt es auch jetzt wieder Umbauarbeiten, wir sehen hauptsächlich Tücher, die vor dem Tor hängen.

Gegenüber liegt das prächtige Hotelgebäude, in dem einige Terroristen (ebenso wie in 2 weiteren großen Hotels der Stadt) Brandsätze gezündet haben. Wir passieren mehrere Sicherheitskontrollen und betreten das traditionsreiche Gebäude. Mmmh, wirklich beeindruckend, ein echtes Luxushotel. Reich verzierte Hallen, Entrees, Gänge, ein Garten mit Pool und Dutzende von Dienern, die nur auf einen Wink von dir warten. (Erfreut sehen wir, dass die Angriffe von den Terroristen im Nov.08 nicht tot geschwiegen werden, sondern vielmehr eine kleine Marmorgedenktafel an die Getöteten erinnert.) Wir trinken eine Tasse Masala-Tee und suchen auch die Luxus-Restrooms auf!! Ein junges Mädchen öffnet uns alle Türen, schließt sie hinter uns – und hat später auch schon den Wasserhahn für uns betätigt, benetzt unsere Hände mit Seife und reicht dann ein kleines Handtuch. Wir müssen nichts berühren!! Als Kristin sie ob dieser Arbeit bedauert, lächelt sie und meint, es sei doch vielfach besser als ‚draußen’.

Draußen, ja draußen ist die Realität wohl für manche(n) deutlich härter. Hier kämpft jeder um einen kleinen Verdienst oder verlegt sich aufs Stehlen. Kinder mit großen schwarzen Augen hängen sich an deine Hand oder ‚kleben’ förmlich am Autofenster… Doch wenn man ihnen Geld gibt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie es in kürzester Zeit von ihren Dealern wieder abgenommen bekommen.

Vor allem dieses Durch- und Nebeneinander von Luxus und Armut, von Pracht und Elend, von modernster Technologie und vorsintflutlichen Gefährten macht einen ganz wuschig. Erstaunlich jedoch ist, dass Mumbai deutlich sauberer ist als die anderen Städte Indiens , die wir zuvor besucht haben. Wie immer sie das hinkriegen: Die Hauptstraßen sind ‚relativ’ sauber – trotzdem sitzen auch hier kleine Kinder (geschätzt 3-5 Jahre alt) am Straßenrand, ohne Aufsicht, liegen Personen auf dem Gehweg. Wir halten es kaum aus, diese Eindrücke aufzunehmen.

Der kleine Ausflug in 2 Geschäfte in der Nähe des Taj Mahal Hotels ist wenig ergiebig; einen (zugegeben schönen) Riesenteppich brauchen wir wirklich nicht!
Uns ist nach GRÜN, wir wollen nicht nur graue Häuserfassaden sehen – Jonny fährt uns in den Kehmala-Nehru-Park, wo die berühmten ‚Hängenden Gärten’ uns etwas zum Verschnaufen einladen. Na ja, wo da etwas hängt, wissen wir nicht, aber immerhin bestaunen wir einige aus Hecken und Büschen geschnittene Figuren. Eine kleine Oase inmitten der Straßenschluchten, die so ganz anders sind als die von New York, Paris oder Rio.

Ein Vergleich mit Havanna drängt sich auf, als wir den Marine Drive, die 1,5 km lange halbrund geschwungene Uferpromenade, sehen. (The Queen’s Necklace genannt) Auf Kuba hat die allgegenwärtige Musik die Tristesse etwas gemildert, hier sind es die leuchtenden Saris der Inderinnen.

Es wird Zeit, etwas zu Mittag zu essen. Jonny empfiehlt uns eins der besten indischen Lokale der Stadt und setzt uns vor der Tür ab. Seine Handynummer haben wir – wenn wir in Ruhe gegessen haben, sollen wir ihn anrufen. Ob das wohl klappen wird? Aber er will ja noch Geld von uns – und ein bisschen mutig sind wir auch schon auf dieser Weltreise geworden.
Das Restaurant ist einsame Spitzenklasse! Wir steigen Marmorstufen in die erste Etage und werden durch eigentlich recht kleine Räume an unseren Platz geführt. Mit Hilfe von Spiegeln aber erscheinen die Nischen gar nicht so klein, das Restaurant fast unübersichtlich verwinkelt – alles in allem aber urgemütlich (auf indisch). Wir essen vorzüglich, haben wohlweislich alle unterschiedliche Speisen bestellt und kommen so in den Genuss von allerlei geheimnisvollen Esskreationen. LECKER!!! Und scharf! (Sorry, aber die ‚Indische Küche’, die uns am Abend an Bord erwartet, kann mitnichten mithalten.)

Jonny holt uns – nach einem kurzen Anruf – wieder ab und dann besuchen wir das Mani Bhavan. Hier hat Mahatma Gandhi zwischen 1917 und 1934 sein Hauptquartier aufgeschlagen. Das Haus ist jetzt ein Nationalmuseum, in dem u.a. Stationen von Gandhis Leben in kleinen Schaukästen mit Puppen nachgezeichnet wird. Gandhis Zimmer, in dem er lebte und arbeitete, ist noch erhalten.

Unsere Köpfe summen und brummen von all den Eindrücken des Tages. Nach einer weiteren halsbrecherischen Fahrt durch den beginnenden Abendverkehr Mumbais werfen wir noch einen Blick auf das Wäschereiviertel Mahalakshmi Dhobi Ghat. Die Wäscher waschen und trocknen täglich Berge von schmutziger Wäsche in langen Reihen gemauerter Becken. Kaum vorstellbar, dass hier kein Wäschestück verloren geht, vielmehr pünktlich (und sauber) wieder bei seinem Besitzer landet!!!

Mumbai – wir können uns vorstellen, das diese Stadt Menschen aus dem ganzen Land anzieht. Viele versprechen sich hier Arbeit, Erfolg – vor allem im indischen Filmgeschäft (Bollywood). Oftmals zieht es Kinder und Jugendliche hierher, die hoffen, dass ihr schauspielerisches Talent entdeckt wird. Doch oft vergessen sie, dass sie die ‚falsche’ Sprache sprechen und schon allein deswegen keine Chance haben! In Indien herrscht Sprachen/Dialektvielfalt, mit starken regionalen Unterschieden!

Auf unserer Fahrt kreuz du quer durch die Stadt passieren wir auch den prachtvollen Bahnhof, das Oberste Gericht und das Prinz of Wales Museum – allesamt unverkennbar britische Handschrift. Nach Hitze und Lärm kehren wir zurück in unsere Oase ‚Amadea’.

Dienstag, 17. März 2009

Goa




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Goa

Eine echte Touristenhochburg! Erkennbar am idyllischen Hafen und den Ständen mit indischen Souvenirs. (Endlich etwas für Robi dabei…)

Wir haben beschlossen, noch einmal baden zu gehen und einen Ausflug an einen der ‚feinsandigen Traumstrände Indiens’ zu buchen. Transfer zu einem Hotel, wo wir Pool, Liegen und Handtücher (gegen Gebühr) benutzen dürfen. Alles ist prima, Kristin bekommt ihre Brandung und vorher noch eine Gelegenheit in einem Laden kräftig zu handeln. Barbara und ich haben uns mit Macht das Lachen verkneifen können. (‚Das Pferd ist doch kaputt!’ – Dazu muss man wissen, dass eben dieses kleine Silberpferd kunstvoll mit beweglichen Beinen geschaffen ist!!)

Ich habe keine Lust auf gefährliche Unterströmungen und ziehe den Pool vor. Rechtzeitig vor einem drohenden Regenguss bekommen wir Damen noch einen starken Kaffee und dann rollen auch schon die vier Amadea-Busse an. Ein schöner Tag, wenn auch hier wieder reichlich Gelegenheit dazu war, Indiens Sozial- und vor allem Hygieneprobleme mit eigenen Augen zu sehen.

Was für ein Land! Unermesslicher Reichtum, aber ein Kastensystem, an dem offenbar niemand richtig zu rütteln mag. Gute Schulbildung für die Kinder, aber auch große Armut der Familien. Manches Kind muss betteln, für den Lebensunterhalt der Familie mitsorgen – und kann noch von Glück sagen, wenn es nicht von den eigenen Eltern verstümmelt wird, weil man damit mehr Mitleid erheischen kann.



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Indien pur




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